Von Andrea und Emil Silber
Magdeburg im September 2008
In einer Zeit, die immer stärker geprägt ist von Lärm, Hektik, Informationsüberflutung, Denaturalisierung, Tempo, Komplexität und schier unbegrenzten Möglichkeiten, den Wegfall von gewachsenen Strukturen, dem Beginn von globalen Änderungsprozessen, mit all seinen positiven wie negativen Auswirkungen, sehnen sich viele Menschen nach Ruhe, Zeit für sich selbst und dem fast schon verloren gegangenen Einklang mit der Natur.
Zu sich selbst finden, Verantwortung für das eigene Leben übernehmen, erkennen wer man wirklich ist und was die eigene Berufung ist, das sind die Wünsche von immer mehr Menschen.
Bei der Suche nach dem eigenen Selbst Begleitung zu finden, in Form von Hilfe zur Selbsthilfe, mit Anregung und Motivation, Austausch und Bewusstseinserweiterung ist etwas ganz Besonderes.
Ich bin einer dieser vielen Menschen die auf der Suche sind und ich habe für mich einen Ort der Stille und Anregung, den Einklang mit der Natur und den Raum für mich selbst gefunden.
Zweimal schon konnte ich Gast auf el Molino sein. Das erste Mal im Frühjahr 2008 bei einem Seminar "
Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg" geleitet von Klaus-Dieter Gens (
www.gewaltfrei.de). Ich habe schon an sehr vielen Seminaren teilgenommen und mich auch schon vorher längere Zeit mit GfK beschäftigt, aber diese eine Woche in Andalusien war das schönste, interessanteste und anregenste Seminar, das ich je besucht habe. Es mag vielleicht etwas pathetisch klingen, aber es hat mein Leben verändert und das ausschließlich positiv.
Ich habe mir Gedanken darüber gemacht woran das lag, was so anders und positiv gewirkt hat und ich habe eine Vielzahl von Gründen gefunden.
Das Wetter war sonnig und angenehm warm, wir haben die meiste Zeit im Freien verbracht. Der Blick und die Seele konnte in die freie Natur schweifen. Die Weite der Landschaft gab ein Gefühl der grenzenlosen Freiheit, die fernen Berge gaben Kraft und Sicherheit. Die Fülle der Natur offenbarte sich in einer Vielzahl von Orangen, Zitronen und Avokadobäumen mit reifen Früchten.
Die Hunde und Katzen waren unsere tierischen Therapeuten, die Hunde begleiteten uns ganz natürlich und voller Freude auf den Spaziergängen und die Katzen zeigten uns wie man das Leben genießen kann, wie Ruhe und Entspannung funktioniert. Zu sehen wie selbstverständlich, frei und ihrer Art entsprechend die Tiere hier leben können und wie offen sie mit uns fremden Menschen umgegangen sind, hat mir viel Freude bereitet und mir sehr gut getan.
Die Mühle selbst und das gesamte Umfeld strahlen eine sehr positive Energie aus. Uralte Eukalyptus- und Olivenbäume sind lebendige Kraftspender. Ruhe-, Kraft- und Rückzugsplätze finden sich überall, z.B. in der Hängematte mit Blick in einen unvergleichlichen Blätterhimmel und dem Gesang des Windes und der Insekten, am Bach mit Schildkröten, Fischen und Fröschen, unter dem Sonnensegel auf der kleinen Terasse, im weißen Raum oder einfach nur irgendwo auf der Wiese.
Das Seminar selbst wurde mit Leben gefüllt und getragen von den acht Teilnehmern und natürlich von Klaus -Dieter, dem "Fels in der Brandung". Vom ersten Augenblick an war es ein sehr offenes, vertrautes und intensives Miteinander. Die Seminararbeit begann meist schon beim Frühstück und endete erst weit nach dem Abendbrot. Es war wirklich harte Arbeit, sehr anstrengend und doch so erfrischend und bereichernd das wir kaum davon lassen konnten. Viele starke Emotionen kamen hoch und wurden in der Gruppe getragen, es wurde gelacht und geweint, systematisch gearbeitet und jedem Raum und Zeit für seine Geschichte und seine Bedürfnisse gelassen.
Zum Thema "Gewaltfreie Kommunikation" hat mir mal jemand folgende Definitionen gegeben: "Das ist doch irgend so eine Kommunikationstechnik, mit deren Hilfe man lernt andere zu manipulieren und das zu erreichen was man gern möchte, aber auf eine ganz liebevoll- weichgespülte Art, oder ist es die, bei der man immer nachgibt, nie sauer sein darf und alle Menschen toll finden muss."
Für mich ist GfK eine Lebenseinstellung, eine Möglichkeit mit mir selbst und anderen Menschen in Kontakt zu kommen, zu spüren was in uns lebendig ist, zu erkennen das wir alle die gleichen Bedürfnisse haben und zu lernen welche Strategien es uns ermöglicht mit anderen Menschen auf friedliche und achtsame Art und Weise in Verbindung zu bleiben. Verantwortung zu übernehmen für das was wir sagen und das was wir hören, gut für uns selbst zu sorgen, emphatisch zu sein und zu erkennen wie trennende und verbindende Kommunikation auf uns und andere Menschen wirken.
Im Seminar wurde sehr deutlich wie sehr wir alle geprägt sind, wie Schuld und Scham, alte Muster, die Vorstellung von Falsch und Richtig und ein sehr gewaltvolles Denken und Sprechen uns oft das Leben schwer machen und das, was wir uns eigentlich wünschen, verhindert. Das zu erkennen und gleichzeitig zu erfahren wie Veränderung möglich ist, war sehr heilsam und ungeheuer ermutigend.
Aber, wie schon Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, sagt: "It`s simple, but not easy!". Was theoretisch so simpel erscheint fällt uns im normalen Leben oft nicht leicht und bedarf immer wieder der Übung und Anwendung. Die Übungen in der Gruppe und das Spiegeln der eigenen Situation durch die Erzählungen der Anderen haben mir zu ungeahnten Perspektivwechseln und einer teilweise völlig neuen Sichtweise verholfen und bei allen Teilnehmern zu großen Entwicklungen und viel Freude und Erleichterung geführt.
Das gute Gefühl sich selbst so nahe zu kommen, sich wieder so lebendig zu fühlen, Auswege aus schier unlösbaren, festgefahrenen Situationen zu sehen, Empathie zu geben und zu empfangen und die Gewissheit das noch so viel mehr möglich ist, all das und noch viel mehr waren Ergebnisse dieses Seminars.
Das wir uns so ganz auf das Seminar einlassen konnten lag auch daran, das wir ganz liebevoll und teilweise wie durch Zauberei von Birgit versorgt wurden. Das Essen war oberlecker und im Detail so liebevoll zubereitet und angerichtet das wir uns sehr willkommen und verwöhnt gefühlt haben. Wenn z.B. blaue Blumen über die Suppe gestreut waren, der Tisch so einladend gedeckt war und am Nachmittag, wenn wir mit unser Energie ziemlich am Ende waren, Schalen mit Plätzchen, Crackern und Obst uns neue Kraft gaben, hatte ich das Gefühl so gut umsorgt zu sein wie sonst nur selten.
Wahrscheinlich war es das Zusammenspiel all dieser kleinen und wichtigen Dinge, Ort, Zeit, Menschen, Tiere. alles passte perfekt zusammen und hat mir so gut getan.
Mein zweiter Besuch führte mich zusammen mit meinem 13jährigen Sohn Emil im Sommer 2008 in die Mühle. Wir kamen als working guests und verbrachten hier zehn intensive, wunderbare Tage.
Die Situation war eine völlig andere, die Jahreszeit, die Menschen, der Tagesablauf, alles war verändert. Aber was ich genauso wiedergefunden habe war ein Ort der Ruhe, der Besinnung und des Friedens und auch die liebevolle Annahme - Seelenheiler und Kraftspender in einem. Dazu offene Angebote zur Begleitung und Anregung in Form von Einzelgesprächen, Yoga, Tanz, Musik, Gesprächen und Büchern, sowie die Begegnung und der Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen, die auch alle auf dem Weg sind - unterwegs zu sich selbst.
Es war eine sehr intensive und erkenntnisreiche Zeit. Emil hat sich vom ersten Augenblick angenommen und wohl gefühlt. Ich habe ihn beim gemeinsamen Arbeiten und im Zusammenleben in dem ungewohnten Umfeld ganz neu kennengelernt. Wir schwärmen und erzählen noch oft von unseren Erlebnissen, vom Schlafen im Zelt, von nächtlichen Besuchern, vom "Container sprengen", vom Tanzen, von lebenden und toten Ziegen, von der kranken Fortuna, vom endlosen Baden im Pool, von der Ruhe- und Zeitlosigkeit, von Hunden und Katzen, Gekos und Grillen, Schildkröten und Wasserschlangen, von Sonne und den vielen lieben Menschen.
Eins ist klar, wir kommen wieder! Zum Kräfte sammeln und Ruhe finden, zum auftanken und wachsen.
Ich freue mich schon auf das GfK Seminar im März 2009 und Emil hofft, dass es bald auch ein GfK Seminar für Kinder und Jugendliche auf der Mühle gibt, dann ist er mit Sicherheit dabei.
Liebe Birgit, wir danken Dir sehr für Alles und wünschen Dir weiterhin viel Kraft und gute Ideen bei deiner Arbeit und liebe Menschen die dich begleiten.
Andrea und Emil Silber
(Magdeburg im September 2008)